José María Odriozola, Professor für Biochemie an der Universität von Madrid, ist Chef des Organisationskomitees Barcelona 2010. Seit 1989 ist er zugleich Präsident des Spanischen Leichtathletik-Verbandes und seit 1999 auch Council-Mitglied des Weltverbandes IAAF. Sportschau-Autor Florian Bauer befragte den 71-Jährigen nach seiner Bilanz der EM.
Frage: Herr Odriozola, als der Organisationschef der Leichtathletik-Europameisterschaft hier in Barcelona, wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf der EM?
Odriozola: Generell bin ich ziemlich zufrieden, mit der großen Ausnahme, dass eben das Stadion nicht voll war abends. Aber es ist eben ein großes Stadion hier in Barcelona und für ein Event wie die Leichtathletik-EM ist es schwierig, das zu füllen. Und als Präsident des spanischen Leichtathletik-Verbandes hatte ich auch mehr von meinem Team erwartet.
Frage: Warum, glauben Sie, waren das Stadion nicht voll?
Odriozola: Naja, vielleicht verliert die Leichtathletik an Boden gegenüber anderen Sportarten. Außerdem ist gerade Ferienzeit in Spanien. Viele Leute kamen aus Europa und dem Rest aus Spanien, aber vielleicht haben sich dann doch viele eher für den Strand, Museen oder Discos entschieden. Aber vielleicht verkaufen wir auch die Leichtathletik nicht angemessen.
Frage: Muss man anerkennen, dass die Leichtathletik im Weltsport einfach nicht mehr die Bedeutung hat wie früher noch?
Odriozola: Ja. Wir verlieren ganz klar an Boden und es ist so schade. Leichtathletik ist die Nummer 1-Sportart bei Olympischen Spielen. Aber wir müssen das eben auch sonst besser verkaufen, vor allem für junge Leute. Die meisten Fans hier sind über 40.
Frage: Was muss die Leichtathletik also aus Ihrer Sicht aus dieser EM lernen?
Odriozola: Wir müssen unseren Sport modernisieren. Wir müssen flexibler sein bei den Regeln, unsere Wettkämpfe attraktiver gestalten für die Zuschauer. Natürlich ist Tradition etwas sehr Wichtiges, aber andere Sportarten verändern sich auch und ihre Regeln mit. In der Leichtathletik sind die Wettkämpfe manchmal zu lang, ein Fußballspiel beispielsweise dauert doch fast nie länger als zwei Stunden. Aber unser Sport ist eben komplizierter, viele Events laufen zur gleichen Zeit. Auf der Bahn oder im Innenfeld, schwierig dem zu folgen, man muss fast ein Experte sein, um wirklich das Spektakel genießen zu können. Aber andererseits ist die Leichtathletik ein hervorragendes Produkt. Also müssen wir uns fragen, ist es unser Fehler, dass wir sie nicht besser verkaufen?
Frage: Müssen Sie, der Sie ja auch Mitglied des Weltverbandes sind, also darüber nachdenken, in Zukunft internationale Meisterschaften an kleinere Städte mit kleineren Stadien zu vergeben?
Odriozola: Nein. Nur in kleinere Stadien. 25 bis 30 Tausend. Das ist genug. Millionen am Fernseher haben dann eben auch das Gefühl, dass das Stadion voll ist. Die Atmosphäre wird auch schöner für die Athleten sein, enger an den Zuschauern zu sein. Also, dieses Stadion hier in Barcelona ist riesig. Und in Zukunft müssen wir das anders machen. Wichtig ist, dass die Gegebenheiten für die Athleten gut sind, aber gleichzeitig darf es eben nicht zu weitläufig sein.
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