100 m

Verena Sailer: Vision vom Gold im Kopf

100-m-Europameisterin Verena Sailer © dpa - Bildfunk Fotograf: Bernd Thissen
große Bildversion anzeigen "Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn": 100-m-Europameisterin Verena Sailer.

Sie freute sich so, sie konnte kaum reden. "Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn", stammelte Verena Sailer nach dem Gold im 100-m-Sprint. Gerechnet hatten die wenigsten damit. Sie hatte es vorhergesehen. "Ich hatte das Bild vor Augen, als Erste über die Ziellinie zu laufen", erzählte die 24-jährige Sprinterin nach ihrem Sensationscoup am Donnerstagabend. "Ich wollte es absolut. Ich wollte es das ganze Jahr." Dieser unbändige Siegeswille - er war zu sehen, von jedermann im Stadion. "Es war hart, aber ich habe einfach die Birne ausgeschaltet und bin gerannt", so die Athletin von der MTG Mannheim, die 20 Jahre nach der ehemaligen DDR-Läuferin Katrin Krabbe erstmals wieder einen 100-m-Titel für die deutsche Leichtathletik gewinnen konnte.

Wachmacher im Halbfinale

Die deutsche Sprinterin Verena Sailer in ihrem Semifinale über 100 Meter. © dpa - Bildfunk Fotograf: Bernd Thissen
große Bildversion anzeigen Lapsus im Halbfinale: Um ein Haar wäre das "Projekt Gold" gescheitert.

"Auf welche Art und Weise sie das gemacht hat, war klasse", lobte auch Melanie Paschke die Europameisterin. Die Braunschweigerin hatte 1994 die letzte (Bronze-)Medaille über 100 Meter für Deutschland bei einer EM gewonnen. "Solche frischen Gesichter brauchen wir." Sailer musste buchstäblich alles geben, um nach einem nicht ganz so starken Start am Ende die Französin Véronique Mang um eine Hundertstelsekunde noch auf Platz zwei zu verdrängen. Dabei wäre die "Mission Gold" im Halbfinale um ein Haar noch schief gegangen: Nach dem Abdruck aus dem Startblock geriet sie durch zu große Vorlage des Oberkörpers leicht ins Straucheln. "Diesen Tritt in den Hintern habe ich gebraucht", meinte die blonde Sportmanagement-Studentin, die im Halbfinale mit unzulässiger Windunterstützung (2,2 m/Sek.) 11,06 Sekunden schnell lief.

Versagensangst trotz Erfolgserlebnissen

Trotz erstarkten Selbstvertrauens hatte Sailer vor der EM auch mit Versagensangst zu kämpfen. "Ich hatte immer Schiss davor, mir selbst was einzureden und am Ende enttäuscht zu sein, wenn es nicht klappt", bekannte die deutsche Meisterin, die bei der Heim-WM in Berlin 2009 die deutsche Sprintstaffel als Schlussläuferin auf Rang drei geführt hatte und als Solistin schnellste Europäerin war. Deshalb habe sie sich vor der EM mit Prognosen öffentlich zurückgehalten und kein Wort von einer Medaille oder gar den Titel verloren. "Aber in Wirklichkeit wollte ich immer nur gewinnen, und das war auch das Einzige, das heute für mich gezählt hat."

Sailer-Sieg bringt Schub im Sprint

Marion Wagner, Cathleen Tschirch, Verena Sailer und Anne Möllinger (v.l.) feiern WM-Bronze über 4x100 m. © dpa Fotograf: Bernd Thissen
große Bildversion anzeigen Europas Beste bei der WM 2009: die 4x100-m-Staffel mit Verena Sailer (3.v.l.)

Jetzt will sie auch mit der 4x100-Meter-Staffel noch in die Erfolgsspur laufen. "Wir wollen mit der Staffel noch viel erreichen und darauf muss ich mich jetzt konzentrieren", spekuliert Verena Sailer am Sonntag auf das zweite EM-Gold. "Verena hat den Bann gebrochen. Ich hoffe, es geht weiter bergauf", sagte Hürdensprinterin Carolin Nytra, die am Freitag erfolgreich ihr Medaillen-Projekt startete. "Sie hat gezeigt, dass im Frauen-Sprint in Deutschland etwas geht." Eine Meinung, der sich auch DLV-Präsident Clemens Prokop gern anschloss: "In der allgemeinen Wahrnehmung ist ein 100-Meter-Titel von besonderem Glanz. Ich denke, dass er einen Schub für den Sprint bringt.

Stand: 30.07.2010 14:30
100 m - Regeln und Fakten 
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