Robert Harting im Porträt

Diskuswerfer Robert Harting © imago/Camera 4 Fotograf: Camera 4

Disziplin: Diskuswurf
Land: Deutschland

geb. am 18.10.1984 in Cottbus
Größe: 201 cm
Gewicht: 129 kg
Verein: SCC Berlin
Trainer: Werner Goldmann
Beruf: Sportsoldat/Student (Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation)

Diskus-Riese Robert Harting krönte sich 2009 vor heimischem Publikum im Berliner Olympiastadion zum Weltmeister. In seinem letzten Versuch übertraf der Lokalmatador mit persönlicher Bestleistung von 69,43 m den Polen Piotr Malachowski – eine überragendes Resultat. Wie schon beim Gewinn seiner Silbermedaille bei der WM von Osaka zwei Jahre zuvor zerriss der Hüne sein Trikot auf der breiten Brust, feierte Gold mit Schreien und Sprüngen. Sein persönlicher Fanblock jubelte enthusiastisch mit. Für gut 40 Freunde, von Harting "die Bösen" genannt, hatte der Zwei-Meter-Riese Karten gekauft. "Dann schwellen dir drei Adern mehr", konstatierte er. Und tatsächlich lohnte die Investition. Es war der erste Titel in dieser Disziplin seit Lars Riedel 2001.

Die Wachablösung im deutschen Diskuswerfen vollzog sich fließend: Noch während der aktiven Laufbahn der DLV-Altstars warf und tönte sich Harting an die Spitze der deutschen Werferszene. Sportlich war er spätestens seit dem Gewinn der Silbermedaille in Osaka über jeden Zweifel erhaben, mit forschen Worten hatte der gebürtige Cottbuser schon zuvor für Schlagzeilen gesorgt und sich von der Konkurrenz absetzen wollen: "Ich bin nicht so ein Egozentriker wie Lars Riedel, ein Säufer wie Michael Möllenbeck oder ein Model wie Martin Wierig." Möllenbeck nannte Harting daraufhin "größenwahnsinnig" und schaltete einen Anwalt ein.

Der Typ Schwiegersohn ist Harting sicher nicht – die Bezeichnung "Diskus-Rebell" trifft es im besten Fall. "Ich kann nicht sagen, dass ich ein gehässiger Typ bin, aber ich schieße schon mal übers Ziel hinaus", sagte der 26-Jährige, der für den SCC Berlin startet: "Ich will mich nicht anbiedern, ich will echt bleiben." Auch Trainer Werner Goldmann ringt oft mit Hartings Launen: "Robert muss lernen, seine Impulsivität in den Griff zu bekommen", konstatierte der Coach schon vor Jahren. Zu Goldmann war der Sportsoldat zurückgekehrt, nachdem er sich 2006 mit Bundestrainer Jürgen Schult, der mit 74,08 m immer noch den Weltrekord hält, überworfen hatte. Seitdem wechseln die beiden kein Wort mehr.

Einen handfesten Eklat gab es auch 2009 bei Hartings größtem Triumph in Berlin. Immer wieder hatten Dopingopfer gefordert, Goldmann nicht im DLV weiterzubeschäftigen. Der Trainer hatte in der DDR zumindest einem Jugendlichen - dem Kugelstoßer Gerd Jacobs - Dopingmittel verabreicht. Bei den Titelkämpfen verteilten die Anti-Doping-Aktivisten schließlich Pappbrillen mit der Aufschrift "Ich will das nicht sehen." Harting fühlte sich herausgefordert, äußerte im Vorfeld seines Wettkampfes, er wünsche sich, dass diesen Kritikern sein Diskus ins Gesicht springe. Eine Äußerung, provokativ und möglicherweise unbedacht, auf jeden Fall aber geschmacklos. Noch im Jubelrausch fuhr sich Harting per Handbewegung über den Mund. Nach dem Motto: Ich sage nichts mehr. Am nächsten Tag erklärte er: "Mir ist zu Ohren gekommen, dass Gerd Jacobs meinen Ausschluss aus dem deutschen Nationalteam gefordert hat." Die fällige Entschuldigung kam, fiel aber gefühlt halbherzig aus.

Der U18-Vizeweltmeister von 2001 entschied sich erst 2003, ganz auf die Karte Diskuswurf zu setzen. Zuvor hatte er auch im Kugelstoßen zur erweiterten deutschen Spitze gehört. 2006 wurde der Diskus-Hüne U23-Europameister, ein Jahr später nach zwei Vize-Titeln zum ersten Mal deutscher Meister, ehe dann in Osaka der Silber-Coup folgte – ein Senkrechtstart par excellence. Bei den Sommerspielen in Peking 2008 lautete das Ziel schließlich "Olympia-Bronze", nachdem er seine Bestleistung zuvor auf 68,85 hatte steigern können. Als Vierter mit 67,09 m verfehlte er die angestrebte Medaille allerdings um 70 cm. Nach dem Coup von Berlin wollte der deutsche Serienmeister die Konkurrenz in Barcelona mit dem ersten 70-m-Wurf seiner Karriere schocken. "Ich hatte in den letzten Wochen Probleme mit dem Kopf. Nach guten Gesprächen mit Werner Goldmann kann ich nun wieder mit Emotionen werfen", sagte der Leichtathlet des Jahres 2009 Ende Juni: "Eine Medaille muss her."

Am Tag vor seinem Ausscheidungswettkampf in Barcelona wirbelte Harting erneut Staub auf. Vom "trägen Verband" forderte er eine stärkere Unterstützung für seinen im Nachwuchsbereich erfolgreichen Bruder Christoph. "Wenn ich eine Medaille mache, will ich eine Förderungsgarantie für meinen Bruder", hieß es in einer vom Weltmeister verbreiteten Pressemitteilung. Die Medaille machte er dann auch. Harting gewann mit 68,47 m Silber hinter Malachowski und sorgte für das 13. DLV-Edelmetall in Barcelona.

Und so ist es mittlerweile mehr als nur ein Verdacht, dass Robert Harting Unruhe, Diskussion und sogar Provokation braucht, um Höchstleistungen abrufen zu können. Es muss brodeln wie in einem Vulkan, der zu gegebener Zeit ausbricht. Zu ruhig sei sein Leben, zu durchgeplant sein Tag, klagte der Berliner im Juli in Kassel, kurz nachdem er seinen fünften deutschen Meistertitel nacheinander unter Dach und Fach gebracht hatte. Folgerichtig beschwerte er sich in Daegu über die seiner Ansicht nach mangelnde Anerkennung der Leistungen von DLV-Athleten. Unabhängig davon drückte der Titelverteidiger in der WM-Saison seiner Disziplin auch ohne Turbulenzen und trotz einer Knieverletzung (Harting: "Ich muss nach der Saison auf jeden Fall unters Messer") seinen Stempel auf, verbuchte Siege in Serie. Für Harting war das im Hinblick auf die WM unerheblich: "Alles, was davor war, ist dann vergessen."

Doch alles konnte selbst "der Harting" während der WM in Daegu nicht vergessen. Die Knieverletzung ließ Harting nach seinen Würfen mit schmerzverzerrtem Gesicht aus dem Ring steigen. Umso bemerkenswerter war die Leistung des DLV-Lautsprechers. Schon der erste Versuch von Harting landete bei 68,49 m und ließ jegliche Spekulationen über sein Leistungsvermögen verstummen. Als er sich im vierten Versuch dann auf 68,97 m steigerte, bestand kein Zweifel mehr an Hartings Titelverteidigung. Über zwei Meter trennten den Hünen am Ende von Silbermedaillen-Gewinner Gerd Kanter.

Terminplan
Männer - Diskuswurf
Datum Zeit Runde
Sa, 31.07. 10:10 Uhr QualifikationA
Sa, 31.07. 11:40 Uhr QualifikationB
So, 01.08. 19:45 Uhr Finale
[Kompletter Zeitplan]

Größte Erfolge:
Pers. Bestleistung:
69,43 m (2009)

Olympische Spiele:
2008 4. Platz

Weltmeisterschaften:
2011 Gold
2009 Gold
2007 Silber

U18-Weltmeisterschaften:
2001 Silber

Europameisterschaften:
2010 Silber

Team-Europameisterschaften:
2011 Silber (Mannschaft), Gold (Einzel)

U23-Europameisterschaften:
2005 Gold

Deutsche Meisterschaften:
2007 - 2011 Gold
2006 Silber
2005 Silber

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