Christina Obergföll im Porträt

Speerwerferin Christina Obergföll © imago/Chai v.d. Laage Fotograf: Chai v.d. Laage

Disziplin: Speerwurf
Land: Deutschland

geb. am 22.08.1981 in Lahr/Baden
Größe: 175 cm
Gewicht: 79 kg
Verein: LG Offenburg
Trainer: Werner Daniels
Beruf: Studentin (M.A.Gesundheitsmanagment)

Werfen, das macht Christina Obergföll schon fast ihr ganzes Leben lang. Mit acht Jahren habe sie bereits einen Tennisball übers Haus geworfen, erzählt ihr Vater Pirmin. "Wir haben am Baggersee Steine geworfen, die wurden immer größer und dicker", erinnert sich die 30-Jährige an ihre weiteren Übungseinheiten. Einen Speer hatte Obergföll zum ersten Mal mit 14 Jahren in der Hand. Mit 17 habe sie dann gemerkt, dass sie für diese Disziplin "ein gewisses Talent" habe. "Damals konnte ich meine Bestleistung um fünf Meter steigern und bin zum ersten Mal deutsche Jugend-Vizemeisterin geworden. Bei diesem Wettkampf habe ich gemerkt, da geht einiges", berichtet sie.

Seit der WM 2005 in Helsinki, als ihr Speer überraschend bei der damaligen Europarekord-Weite von 70,03 m landete, kennt die ganze Leichtathletik-Welt die blonde Powerfrau aus dem badischen Offenburg. War die Vize-Weltmeisterschaft seinerzeit noch ein riesiger Triumph, bedeutete Silber zwei Jahre später bei den Welt-Titelkämpfen in Osaka für die Favoritin nach starken Ergebnissen im Vorfeld, als sie sich unter anderem auf die aktuelle deutsche Rekordweite von 70,20 m steigerte, eine Enttäuschung. Auch Bronze bei den Olympischen Spielen 2008 entsprach nicht Obergfölls Ansprüchen, auch wenn sie die einzige Medaille für den DLV in Peking holte. "2006, 2007 und 2008 habe ich meine Leistung nicht auf den Punkt gebracht", sagte sie. Das gilt auch für die Heim-WM in Berlin vor zwei Jahren. Beim überraschenden Triumph von Steffi Nerius blieb Obergföll nur Platz fünf mit 64,34 m. Zum ersten Mal reichte es für sie bei der Teilnahme an einer internationalen Meisterschaft nicht für eine Medaille.

Anders bei der EM 2010 in Barcelona: Zwar wurde es wieder nichts mit dem ersehnten ersten großen Titelgewinn. Doch mit der Silbermedaille hinter Überraschungssiegerin Linda Stahl aus Leverkusen und vor der tschechischen Weltrekordlerin Barbora Spotakova musste die Offenburgerin zufrieden sein. "Der Sieg war greifbar nahe, ich hätte natürlich auch gerne mal ganz oben gestanden."

Das sollte endlich in Daegu gelingen. Obergföll war eine der wenigen deutschen Goldhoffnungen bei der WM, strahlte im WM-Jahr in doppeltem Sinne eine neue Leichtigkeit aus. Sie hatte ein paar Kilo an Gewicht verloren und wirkte insgesamt gelöster. "Ich bin mit weniger Erwartung in die Saison gegangen, nachdem ich im vergangenen Winter zwei Knie-Arthroskopien hatte", sagte die Lebensgefährtin von Männer-Bundestrainer Boris Henry. Zudem trainierte sie seit Februar mit einem neuen Krafttrainingsgerät. "Damit mache ich sehr gute Erfahrungen", so Obergföll: "Über eine Schiene wird der Abwurf simuliert. Es spricht genau die Muskulatur an, die man als Speerwerferin braucht."

Trainer Werner Daniels beschrieb die veränderte Christina Obergföll so: "Sie ist einfach reifer geworden. Ihre Selbststeuerung klappt besser." Eine der ärgsten Konkurrentin der Deutschen war wie erwartet erneut Spotakova. "Mit ihr ist ganz stark zu rechnen. Für mich ist Barbora die Favoritin. Sie kann weit werfen und kontern, wenn es sein muss. Aber auch bei Maria Abakumowa ist alles möglich, wenn sie voll trifft", sagte die 30-Jährige mit Blick auf die russische Olympiazweite.

Und sie traf mehr als voll. Beim fünften Wurf von Maria Abakumowa stockte der Konkurrenz der Atem. Mit 71,99 m erzielte die Russin Weltjahresbestleistung und holte sich damit Gold. Für Christina Obergföll reichte es am Ende nicht zur erhofften Medaille. Enttäuscht ließ sie sich von ihrem Lebensgefährten trösten. Ihre 65,24 m bescherten ihr am Ende nur den vierten Platz, da die Überraschung des Speerwerfen, Sunette Viljeon aus Südafrika, 68,38 m werfen konnte und damit auf dem dritten Rang landete. Allzeit-Konkurrentin Spotakova lieferte sich mit Abakumova einen Zweikampf und wurde am Ende Zweite. Christina Obergfölls Enttäschung war besonders groß, da sie im Vorfeld der WM schon wertvolle Duelle gewinnen konnte: Beim letzten Diamond-League-Meeting vor dem Saisonhöhepunkt in Südkorea konterte die Offenburgerin zweimal die Führung der Weltrekordlerin und siegte mit dem Meeting-Rekord von 66,74 m vor der Tschechin, die im fünften Versuch 66,41 m erzielt hatte. Mit ihrem vierten Erfolg in der lukrativen Serie sicherte sich Obergföll zudem schon vor den beiden letzten Meetings in Zürich und Brüssel den Gesamtsieg in der Disziplinwertung.

Terminplan
Frauen - Speerwurf
Datum Zeit Runde
Di, 27.07. 19:05 Uhr QualifikationA
Di, 27.07. 20:30 Uhr QualifikationB
Do, 29.07. 20:40 Uhr Finale
[Kompletter Zeitplan]

Größte Erfolge:
Pers. Bestleistung:
70,20 m (2007)

Olympische Spiele:
2008 Bronze

Weltmeisterschaften:
2011 4. Platz
2009 5. Platz
2007 Silber
2005 Silber

Europameisterschaften:
2010 Silber

Team-Europameisterschaften:
2011 Silber (Mannschaft), Gold (Einzel)

Europacup:
2007 Gold

Deutsche Meisterschaften:
2010 Silber
2008 und 2007 Gold

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