Bolt: Terminhatz und skurriles Souvernir

Usain Bolt (l.) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mit einem Stück Berliner Mauer © ARD Fotograf: Bettina Lenner
große Bildversion anzeigen Schwergewichtiges Andenken: Bolt, Wowereit und ein Stück Berliner Mauer.

Heute ist der Schlagbaum unten. Zum ersten Mal in neun Tagen, da verstehen die Sicherheitsleute keinen Spaß. Akkreditierung zeigen, registrieren lassen, dann ein gnädiges Winken, weitergehen. Sie hatten schon häufiger prominente Gäste im Champions Club während der Leichtathletik-WM. Nastassja Kinski, Hochsprung-Legende Heike Henkel, aktive und ehemalige Spitzensportler gaben sich die Klinke in die Hand. Man ist Glamour gewöhnt auf der gepflegten Anlage unweit des Olympiastadions. Doch heute ist alles anders. Heute kommt Usain Bolt. Der Mega-Star der WM. Mit der Beschaulichkeit auf dem Gelände des Berlin International Club, sonst ruhender Pol inmitten des hektischen WM-Treibens, ist es heute vorbei. Nicht nur für 9,58 Sekunden, aber gefühlt auch nicht länger.

Genug von all dem Zirkus

Aus den Boxen schallt Bob Marley. Der "Rasende Blitz", in Berlin mit dreimal Gold und zwei Weltrekorden uneingeschränkter Superstar, mag Reggae. Es schmeckt trotzdem nach Klischee, irgendwie, und auch das Gedrängel der Fotografen und Kamerateams wirkt alles andere als "relaxt". So wie der gefeierte Held, als er leicht verspätet kommt. Der hat zwar die ganze Nacht in einer Nobel-Disco gefeiert, aber offensichtlich auch genug von all dem Zirkus. "Ich bin ein Berlino", soll er immer wieder sagen, und schon beim ersten Mal klingt das nicht besonders überzeugend. Beim dritten Mal nur noch matt. Vor seinem 200-m-Finale hatte sich Bolt in einem Shirt mit der Aufschrift "Ich bin ein Berlino" warmgelaufen. Möglich, dass er das jetzt bereut.

Mauerstück frei Haus

Berliner Mauer mit dem Konterfei von Usain Bolt © ARD Fotograf: Bettina Lenner
große Bildversion anzeigen Auf Stein gemalt: Berliner Mauer mit dem Konterfei von Usain Bolt.

Schließlich wird Bolt vor ein gigantisches Segment der Berliner Mauer geführt. Das Graffiti mit einem Abbild des Ausnahmeathleten ist mäßig gelungen, das Betonstück über drei Meter hoch und knapp drei Tonnen schwer - ein skurriles Geschenk. Ob sich der Jamaikaner in deutsch-deutscher Geschichte auskennt? Immerhin ist der Transport des unhandlichen Souvenirs geklärt. Eine Spezialfirma liefert das tonnenschwere Teil frei Haus, drei Wochen dauert der Transport der Schiff. Ein Raunen geht durch die Menge, Bolt bleibt ungerührt. Bestimmt wusste er aber auch schon, wie alles läuft. Die Zeit ist um, Bolt sprintet weiter, zum nächsten Termin ins Stadion. Siegerehrung mit der Sprint-Staffel, winken, Show, Faxen machen - in der Arena ist Bolt wieder der Alte. Manche Termine sind eben Pflicht, andere Kür. Sogar für einen Sonnyboy wie Bolt.

Autorin/Autor: Bettina Lenner, sportschau.de
Stand: 23.08.2009 18:00
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Jill Richards (l.) und Victoria Brandt aus Berlin mit Bolt-Trikot © ARD Fotograf: Bettina Lenner

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