Jetzt sind wir am Ende. Nicht mit unserem Latein, sondern mit der WM. Zum Schluss gibt es immer ein Resümee, das die Athleten bestimmt mit den Worten "Schade, dass es vorbei ist!" kommentieren. Anfangs haben wir uns alle ein wenig gefragt, wo die Weltmeisterschaften 2009 eigentlich stattfinden. In der Stadt selbst vermisste ich zu Beginn den Flair, den Hauch des Großen. Als ich mich erst einmal in den Bann des Sports ziehen ließ, entwickelte ich ein gutes Gefühl. Zum einen durch die deutschen Athleten, zum anderen durch ein fachkundiges, frenetisch jubelndes Publikum. Das war das Pfund der WM. Die Menschen im Stadion. Leider waren es zu wenig. Zu hohe Eintrittspreise hielten wahrscheinlich zu viele von einem Besuch des Festes ab.
Der, der da war, machte Rabatz für fünf. Die Akustik des Stadions ist überwältigend und bereitete dem Athleten eine würdevolle Bühne. Die Zuschauer an den Fernsehgeräten machten diese WM auch zu einer besonderen. Durch ihr Interesse würdigten sie die Leistungen der deutschen Mannschaft und bekundeten Sympathie für eine schöne Sportart.
Unter dem Medaillenstrich können wir sehr zufrieden sein, pulverisierten wir doch die schlechte Ausbeute von Peking. Der Generationenwechsel hat stattgefunden, die Mannschaft ist konkurrenzfähig. Der Heimvorteil mit oftmals guten Ausgängen zu unseren Gunsten hat natürlich geholfen, aber das zeigt: Die Athleten haben es drauf. So wie Steffi Nerius. Würde ihre Geschichte in Hollywood verfilmt werden, hätte man sich "Ach, wie kitschig" nicht verkneifen können. Im wahren Leben ist diese Erfolgsstory mit dem Karriereoberhöhepunkt am Karrierewirklichende so unfassbar, dass man es nicht glauben kann, wäre man nicht dabei gewesen.
Ein heimischer Berliner vollbrachte ähnliches. Von der Wettkampfspannung her war das Diskuswerfen mit deutschem Happy End nicht zu überbieten. Nachher im Deutschen Haus wurde der Weltmeister Robert Harting vom Moderator immer auf "seine" Stadt angesprochen, worauf er furztrocken erwiderte, dass die Stadt nicht ihm gehöre, sondern Wowereit.
Der Kampf einer Jennifer Oeser, die trotz Sturz mit einem panischen Kraftakt die Silbermedaille sicherte, die anderen deutschen Medaillen, die aufopferungsvolle Kampfbereitschaft der restlichen Mannschaft, all das waren neben der Bolt-Show Highlights des Spektakels. Ob Berlin an die WM 1993 in Stuttgart heranreicht, vermag ich nicht zu sagen, aber unter dem Strich haben wir eine tolle WM mit einem unglaublichen Publikum erlebt, das der Veranstalter gerne hätte vergrößern wollen. Aber vielleicht wäre dann das Olympiastadion unter der Druckwelle der Begeisterung zusammengebrochen
Mit Sabrina Mockenhaupt, Sebastian Bayer, Carolin Nytra und Frank Busemann.[mehr]
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