Dopingskandal bei den Springreitern

Christian Ahlmann  bei seinem Ritt mit Coster. © ddp Fotograf: David Hecker
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Die deutschen Springreiter sind erstmals seit 1928 ohne Medaille bei Olympischen Spielen geblieben - doch das historische sportliche Debakel steht ganz im Schatten eines Skandals: Christian Ahlmann aus Marl wurde noch vor dem Einzel-Finale von den Olympischen Reiterspielen in Hongkong ausgeschlossen. Grund dafür ist die verbotene Substanz Capsaicin, die bei seinem Wallach Cöster bei einer Medikationskontrolle am 17. August - dem Tag vor dem Mannschaftsfinale - festgestellt worden war. Neben Ahlmann wurden aus dem gleichen Grund auch der Norweger Tony Andre Hansen, der Ire Denis Lynch und der Brasilianer Bernardo Alves mit ihren Pferden gesperrt. Das teilte die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) am Donnerstag mit. Die Norweger könnten bei einer Bestätigung des Resultats durch die B-Probe ihre Mannschafts-Bronzemedaille an die Schweiz verlieren. Das Ergebnis des Einzelfinales: Meredith Michaels-Beerbaum wurde Vierte, Ludger Beerbaum belegte Platz sieben. Gold ging an Eric Lamaze aus Kanada.

Systematischer Einsatz von Capsaicin?

Der Hintergrund der Capsaicin-Affäre ist noch unklar. Bei 15 untersuchten Pferden und vier Positiv-Fällen spricht aber vieles dafür, dass Capsaicin im Springreiten systematisch zur Hyper-Sensibilisierung der Pferdebeine eingesetzt wird. "Jetzt haben wir unser Epo-, unser Radfahrer-Problem", meinte Hanfried Haring, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN nach Bekanntwerden des Skandals. Mit dem Einsatz der Creme an den Vorderbeinen oberhalb des Hufes kann die Haut der Pferde gereizt werden, was das Anschlagen an die Stangen schmerzhafter macht. Die Substanz wäre auch deshalb zur Manipulation geeignet, weil sie laut dem deutschen Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting "als flüchtig" gilt. Capsaicin fällt grundsätzlich in die Klasse der verbotenen Medikation, im Falle des Missbrauchs allerdings unter Doping.

B-Probe geöffnet - Ergebnis spätestens in einer Woche

Teamchef Reinhard Wendt äußert sich zum Dopingfall Christian Ahlmann. © dpa - Bildfunk Fotograf: Jochen Lübke
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Nachdem die FN mit ihrem Generalsekretär Haring von dem Fall Kenntnis bekommen hatte, wurden im Anschluss auch der Chef de Mission, Reinhard Wendt (Warendorf), und Reiter Ahlmann über den Fall informiert. Der sofortige Ausschluss des 33-jährigen Doppel-Europameisters von 2003 und der anderen betroffenen Reiter von den Olympischen Spielen wurde nach einer Anhörung zur Klärung des Sachverhalts am Donnerstagmorgen (Ortszeit) von der FEI bekanntgegeben. Mit der schnellen Entscheidung tritt bei Olympischen Spielen nach Informationen der FN eine neue Regelung in Kraft, die vorsieht, dass Reiter und Pferd bereits nach einer positiven A-Probe vom Turnier suspendiert werden. Die B-Probe wurde am Freitag im Veterinärlabor in Hongkong geöffnet. Das Ergebnis soll laut FEI innerhalb der nächsten sieben Tage vorliegen. "Ich gehe davon aus, dass wir schon in drei, vier Tagen Bescheid wissen", sagte Wendt. Für die darauffolgende Woche hat die FEI eine Anhörung mit Ahlmann und den anderen Reitern angesetzt.

Capsaicin: Extrakt der Chilischote

"Die Beschleunigung des Verfahrens, die international unter besonderer Mitwirkung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ins Leben gerufen wurde, ist genau richtig", bekräftigte Dr. Haring die neue Regelung. "Wir werden seitens der FN alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Fall aufzuklären", so der Generalsekretär weiter. "Bei der Substanz Capsaicin handelt es sich um ein Extrakt der Chilischote, das zur oberflächlichen Behandlung auf der Haut angewendet werden kann", so Mannschaftstierarzt Nolting. "Es hat in erster Linie einen durchblutungsfördernden Effekt", so der Veterinär.

Ähnlicher Fall kostete 2004 die Goldmedaille

Ludger Beerbaum auf All Inclusive © AP
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Ahlmann gehörte zur deutschen Equipe, die am vergangenen Montag im Mannschafts-Wettbewerb enttäuscht und nur Platz fünf belegt hatte. Der Reiter machte sich am Freitag nach seiner Anhörung auf den Weg nach Deutschland und wollte sich nicht näher zu den Vorwürfen äußern. Vor dem Abflug zu den Spielen in Hongkong hatte es eine interne Kontrolle der deutschen Olympia-Teilnehmer gegeben. Dabei seien nach Angaben von Nolting alle Proben negativ gewesen. Vor vier Jahren in Athen hatte die deutsche Mannschaft ihre Goldmedaille im Teamwettbewerb verloren, weil eine Behandlung an Ludger Beerbaums Pferd Goldfever mit einer betamethasonhaltigen Salbe nicht angemeldet worden war. 

Fassungslosigkeit bei den Verantwortlichen

Nolting versicherte, von keiner Behandlung des Pferdes Cöster gewusst zu haben. Alle deutschen Reiter haben unterschrieben, dass die Tiere acht Wochen vor und während der Spiele nicht ohne Absprache mit dem Veterinär behandelt werden dürfen. "Wir haben zig- fach darüber gesprochen", berichtete Nolting. Die Reiter seien "mehrfach aufgeklärt" worden. "Wir stehen trotzdem heute da wie vor vier Jahren", klagte der Veterinär. "Ich schwanke zwischen Unverständnis und Wut. Kann doch keiner sagen, dass das vom Himmel fällt", pflichtete ihm Haring bei. Ahlmanns Teamkollege Beerbaum war dagegen einfach nur sprachlos: "Ich bin schockiert, aber ich weiß noch wenig über Details." Auch Teamkollegin Michaels-Beerbaum ritt alles andere als unbeschwert: "Das war sehr belastend, aber ich habe versucht, mich auf den Sport zu konzentrieren."

Stand: 22.08.2008 06:50
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