Mit der traditionellen Formel "Ich erkläre die Olympischen Spiele von Peking zur Feier der 29. Olympiade der Neuzeit für eröffnet" hat der chinesische Staatschef Hu Jintao den Startschuss für den Kampf um die Medaillen von über 11.000 Sportlern aus 204 Ländern gegeben. Das Feuer entzündete anschließend der ehemalige Turner Li Ning, dreifacher Goldmedaillengewinner 1984 in Los Angeles. Von einem Seil wurde Li Ning auf die Höhe des Stadiondachs gehoben und trug die Flamme dort einmal um das gesamte Stadionrund. Eine Wiederholung des weltweiten Fackellaufs in der Kurzfassung. Bis zum 24. August stehen nun 302 Entscheidungen in 28 Sportarten auf dem Programm der Sommerspiele.
Farbenprächtige Bilder, viel Symbolik, glücklich lächelnde Menschen: Das chinesische Olympia-Organisationskomitee BOCOG war bemüht, überwältigende Bilder für die mehr als eine Milliarde Zuschauer zu produzieren. Denn im Vorfeld hatte oft nicht das sportliche Großereignis, sondern die politische Situation im Ausrichterland die Nachrichten bestimmt: Jetzt folgte der große Auftritt von Trommlern, Tänzern und Terrakotta-Soldaten sowie Kung-Fu-Kämpfern, Akrobaten und prominenten Personen der chinesischen Geschichte.
Fünftausend Jahre chinesischer Kultur zogen vor den Augen der 91.000 Zuschauer im "Vogelnest" vorüber. Während im Stadionrund Fabelgestalten, traditionell gekleidete Kinder und Vertreter der 56 Volksgruppen eine große Show boten, sorgten die Zuschauer auf den Rängen mit bunten Leuchtstäben für eine zauberhaft wirkende Kulisse. Insgesamt 15.000 Darsteller waren an dem Schauspiel der Eröffnung beteiligt. Dass die Feier trocken über die Bühne ging, hatten alle Beteiligten Chinas "Regenmachern" zu verdanken. Denn wie erst am Samstag bekannt wurde, hatten chinesische Wetterspezialisten 1.104 Raketen mit Silberjodid von 21 Stellen in die Gewitterwolken, die sich bedrohlich dem Nationalstadion genähert hatten.
Im Anschluss an ein gewaltiges Feuerwerk begann der Einmarsch der 204 Teams. So viele Nationen waren noch nie zuvor bei den Sommerspielen vertreten. Auch die deutschen Männer- und Frauenhandballer mischten sich kurzfristig unter das deutsche Team. Wegen der späten Abfahrt der deutschen Delegation aus dem Athletendorf hatten die Bundestrainer Heiner Brand und Armin Emrich den Sportlern den Einmarsch erlaubt. Die Welthandballerin Nadine Krause (Kopenhagen) und Routinier Christian Schwarzer (Rhein-Neckar Löwen) zogen unmittelbar hinter dem verschwitzten, aber strahlenden Fahnenträger Dirk Nowitzki ein, der sich die olympischen Ringe ins Haar rasiert hatte.
Ebenso kurzfristig liefen hingegen die Sportler aus dem Sultanat Brunei nicht ein. Sie wurden am Eröffnungstag der Spiele vom Internationalen Olympischen Komitee von der Teilnahme ausgeschlossen, da das NOK des asiatischen Landes keine Athleten zu den Wettbewerben angemeldet hatte. Großen Applaus bekamen die Mannschaften aus Taiwan und Hongkong, auch Staatspräsident Hu Jintao klatschte, wenn auch zurückhaltend.
Das größte Sportereignis der Welt wurde auch am Tag der Eröffnung von politischem Streit zwischen China und dem Westen überschattet. So hatte US-Präsident George W. Bush erneut auf die Verbesserung der Menschenrechte gepocht. Darüber hinaus lieferte das Ausrichterland weitere Gründe zur Kritik: Das chinesische Organisationskomitee BOCOG beharrt auch weiterhin auf der Internet-Zensur. Seiten, die der "nationalen Sicherheit" und dem "gesunden Wachstum der jungen Generation" schaden, würden gesperrt bleiben, wie BOCOG-Generalsekretär Wang Wei mitteilte.
Abgestraft wurde auch der private Fernsehsender Seoul Broadcasting System (SBS), der im Vorfeld eine streng geheime Kostümprobe im "Vogelnest" filmte und veröffentlichte. Der Sender musste während der Eröffnungsfeier draußen bleiben. "Man muss sich an Regeln halten", sagte Wang Wei, "wir brauchen ethische Standards."
Doch die politische Situation in einigen Teilnehmerländern machte auch vor der Eröffnungsfeier nicht halt: Nord- und Südkorea marschierten nicht gemeinsam ein. Sowohl bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen als auch 2000 in Sydney hatten die Länder noch gemeinsam das Stadionrund betreten, aber diesmal wollten die "politischen Mächte", wie IOC-Präsident Jacques Rogge mitteilte, dies nicht.
Die Impressionen von der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008.[mehr]
peking.ARD.de befragte Besucher der Eröffnungsfeier, wie sie die Zeremonie erlebt haben.[mehr]
Tageszusammenfassung für Samstag, 9. August 2008.[mehr]
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