Der Berliner Vize-Weltmeister Robert Harting hat im Diskuswurf mit 67,09 Metern Rang vier belegt und damit sein erklärtes Ziel eine Medaille zu holen verpasst. Genau 70 Zentimeter fehlten dem 23-Jährigen zum Sprung auf das Siegerpodest. Der Olympiasieg ging an den Weltmeister Gerd Kanter (Estland), der sich im vierten Versuch auf 68,82 Meter steigerte. Der Pole Piotr Malachowski gewann unerwartet Silber mit 67,82 Metern. Bronze ging an den zweimaligen Olympiasieger Virgilijus Alekna aus Litauen (67,79 m). "Geheime Hoffnungen haben sich nicht erfüllt", bedauerte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Das letzte Olympia-Gold im Diskuswerfen für Deutschland hatte 1996 in Atlanta der Chemnitzer Lars Riedel geholt.
In der Qualifikation hatte Harting noch das Wurfgefühl gefehlt. Der Weg nach Peking war für den Berliner durchaus steinig gewesen: Eine Verletzung an einem Finger der Wurfhand gehörte ebenso dazu wie die Diskussion um die Doping-Vergangenheit seines Trainers Werner Goldmann. Zudem zertrümmerte Teamkollegin Betty Heidler im japanischen Trainingslager mit einem Hammerwurf seinen auf dem Rasen liegenden Diskus. Es war die Scheibe, mit der er in Japan WM-Silber geholt hatte. "Die Chance auf eine Medaille bleibt", hatte er dennoch trotzig erklärt.
Der Dresdener Raul Spank hat im Hochsprung bei den Olympischen Spielen eine hervorragende Leistung gebracht und Platz fünf belegt. Der 20-Jährige steigerte zum Saisonhöhepunkt seine Bestleistung um zwei Zentimeter und übersprang 2,32 Meter. Bei seiner Olympiapremiere erlaubte sich Raul Spank keine Schwäche. Bei 2,15 Metern stieg er in den Wettkampf ein und überwand jede Höhe bis 2,29 Meter direkt im ersten Versuch. Gold ging an den russischen Europameister von 2006 Andrej Silnow (2,36 m), Silber an Germaine Mason (Großbritannien; 2,34 m) und Bronze wiederum nach Russland, an Jaroslaw Rybakow (2,34 m).
Raul Spank hatte schon in der Qualifikation seine Nerven im Griff und als Fünfter 2,29 Meter überquert. Erst durch eine Ausnahmeregelung des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB) war der Weg zu Olympia für den Hochspringer freigeworden. Er hatte die doppelt geforderte Norm von 2,30 Metern nur einmal erfüllt. Sein bislang größter Erfolg war die Silbermedaille im vergangenen Jahr bei der U20-Europameisterschaft im niederländischen Hengelo.
Nach der Goldmedaille über 100 Meter ist Usain Bolt auch über die doppelte Distanz der große Favorit: Im zweiten Halbfinale setzte sich der Weltrekordler über 100 Meter auch über 200 Meter mit aufreizender Lockerheit in 20,09 Sekunden gegen den US-Amerikaner Shawn Crawford (20,13 sec) und dessen Landsmann Wallace Spearmon (20,14 sec) durch. Auf der Zielgeraden hatte Usain Bolt schon das Tempo gedrosselt und mehrmals auf die Anzeigentafel geblickt, um seine Konkurrenten zu kontrollieren. "Jetzt gehe ich ins Finale und gewinne und werde schnell laufen", kündigte der neue Sprintstar kess an. Der Sieg im ersten Halbfinale ging an Martina Churandy (Niederländische Antillen; 20,11 sec) vor Brian Dzingai (Simbabwe; 20,17 sec) und Walter Dix (USA; 20.19 sec).
Im 200-m-Sprint der Frauen deutet alles auf einen erneuten Zweikampf zwischen Jamaika und den USA hin. Jeweils drei Läuferinnen aus den beiden Nationen qualifizierten sich für die Halbfinals am Mittwoch. Schnellste war die 100-m-Zweite Sherone Simpson (Jamaika) in 22,60 Sekunden.
Sanya Richards fehlte das Stehvermögen: Mutig war die US-Amerikanerin im Finale über 400 Meter angegangen und musste auf der Zielgeraden dem Tempo Tribut zollen. Es gewann die Britin Christine Ohuruogu (49,62 sec) vor der Jamaikanerin Shericka Williams (49,69 sec). Sanya Richards blieb nur Rang drei (49,93 sec). Über 100 m Hürden gewann überraschend die US-Amerikanerin Dawn Harper die Goldmedaille. Die in Führung liegende Favoritin Lolo Jones (USA) kam an der letzten Hürde ins Straucheln und wurde nur Siebte. Silber ging an Sally McLellan (Australien; 12,64 sec), Bronze an Priscilla Lopes-Schließ (Kanada; 12,64 sec). Leichtathlet Rashid Ramzi hat dem Königreich Bahrain die erste Medaille in der Geschichte der Olympischen Spiele beschert. Der WM-Zweite gewann Gold über 1500 m in 3:32,94 Minuten und verwies Asbel Kipruto Kiprop aus Kenia (3:33,11) und Nicholas Willis aus Neuseeland (3:34,16) auf die Plätze zwei und drei.
Mitfavoritin Christina Obergföll, Medaillenhoffnung Steffi Nerius und auch Katharina Molitor stehen am Donnerstag im olympischen Speerwurf-Finale. Die Offenburgerin Obergföll kam gleich im ersten Versuch der Gruppe B auf 67,52 Meter und konnte ihre Tasche packen. Nerius gelangen in der Gruppe A im dritten und letzten Versuch 63,94 Meter. Damit übertraf sie ebenfalls die geforderten 61,50 Meter. Die dritte deutsche Starterin, Katharina Molitor, überstand mit im letzten Versuch erzielten 60,92 Metern ebenfalls die Qualifikation.
Die beste Leistung zeigte Weltmeisterin Barbora Spotakova aus Tschechien mit 67,69 Metern - der drittbesten Weite in diesem Jahr. Die Medaillen werden am Donnerstag vergeben. "Nur Christina Obergföll könnte Barbora Spotakova schlagen", meinte Nerius. Sich selbst zählt die 36-Jährige, die seit der EM 2002 jedes Jahr Edelmetall gewann, "zu den vier bis fünf anderen, die um Bronze kämpfen". Molitor hat Chancen den Endkampf der besten Acht zu erreichen.
Geher Andre Höhne hat derweil bekannt gegeben, dass er am Freitag am 50-Kilometer-Wettbewerb teilnehmen wird. Der Berliner entschied sich nach seinem enttäuschenden 25. Platz vom Samstag über 20 km (1:23:13 Stunden) zum Doppelstart. Er hatte sich über beide Strecken qualifiziert, die Entscheidung aber aufgeschoben.
Zusammenfassung für Dienstag, 19. August 2008.[mehr]
Nur eine Medaille für den DLV: Bronze für Speerwerferin Christina Obergföll.[mehr]
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