Mit einem bunten Spektakel zwischen chinesischer Folklore und britischer Popkultur hat sich Peking von den Sommerspielen der XXIX. Olympiade verabschiedet. Um 20.58 Uhr Ortszeit (14.58 Uhr MESZ) erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge vor 91.000 Zuschauern im Pekinger Nationalstadion bei der Schlussfeier die Spiele für beendet. In seiner Ansprache lobte Rogge die chinesischen Olympia-Ausrichter: "Das waren wahrlich außergewöhnliche Spiele." Mit der traditionellen Formel "Danke Peking - auf Wiedersehen in vier Jahren in London" rief der Belgier die Jugend der Welt auf, sich zu den Sommerspielen in London 2012 zu versammeln. Um 21.24 Uhr Ortszeit (15.24 Uhr MESZ) erlosch das Olympische Feuer ganz unspektakulär.
In einem achtminütigen Showteil für die Spiele 2012 in London traten unter anderem Fußballstar David Beckham und der Gitarrist der Rockgruppe Led Zeppelin, Jimmy Page, sowie Pop-Sternchen Leona Lewis auf dem Dach eines typisch englischen Doppeldecker-Busses auf. Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt von fast 70 Popstars aus China, Hongkong, Taiwan und weiteren Ländern, die den Titelsong der Feier, "Forever Friends" (Für immer Freunde), sangen.
Die viermalige Kanu-Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin trug bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne. "Das macht die Spiele für mich perfekt", sagte die Sportsoldatin, die sieben WM-Siege und acht EM-Titel eingefahren hat.
Zuvor hatte IOC-Präsident Jacques Rogge ein positives Fazit der Spiele gezogen. Für DOSB-Generalsekretär Michael Vesper ist der Abwärtstrend des deutschen Teams gestoppt. Deutschland hat mit 41-mal Edelmetall zwar nicht die Gesamtzahl von Athen (49) erreicht, aber mit 16-mal Gold, 10 Silber- und 15 Bronzemedaillen Rang fünf in der Nationenwertung belegt. Doch die Traumwelt Olympia stieß nicht nur auf ungeteilte Begeisterung. Die ersten Spiele im Milliardenstaat China werden mit perfekter Organisation, einem Goldregen für die Gastgeber und toller Stimmung auf den Rängen in Erinnerung bleiben. Aber auch die Diskussionen über Menschenrechte, Pressefreiheit und Doping werden weitergehen.
Am letzten Wettkampftag hatten zuvor die Basketballer der USA zum insgesamt 13. Mal olympisches Gold gewonnen. Das Team der NBA-Profis setzte sich im Endspiel des Turniers in Peking 118:107 (69:61) gegen Weltmeister Spanien durch. Für die Amerikaner war es der erste Erfolg bei Olympia oder einer WM seit den Sommerspielen 2000 in Sydney. Beste Werfer der USA waren Dwyane Wade (27) vor Kobe Bryant (20) und LeBron James (14).
Frankreichs Handballer sind zum ersten Mal Olympiasieger. Im Finale von Peking setzte sich die Mannschaft um Welthandballer Nikola Karabatic gegen Island klar mit 28:23 (15:10) durch. In Karabatic und Torhüter Thierry Omeyer vom THW Kiel sowie den Hamburger Brüdern Bertrand und Guillaume Gille steigen damit vier Olympiasieger Anfang September in die neue Bundesliga-Saison ein. Bronze hatte sich zuvor Spanien durch ein 35:29 (12:14) gegen Athen-Gewinner Kroatien gesichert.
Samuel Kamau Wanjiru hat der Läufernation Kenia die erste Marathon-Goldmedaille der Olympiageschichte beschert. Der Weltrekordler im Halbmarathon gewann das 42,195-km-Rennen am letzten Tag der Spiele in Peking in starken 2:06:32 Stunden vor Ex-Weltmeister Jaouad Gharib aus Marokko (2:07:16) und Äthiopiens Tsegay Kebede (2:10:00).
Die deutsche Wasserball-Nationalmannschaft beendete das olympische Turnier mit einer 8:10-Niederlage gegen Italien und belegte damit in der Endabrechnung Rang zehn. Für Deutschland war es im siebten Turnierspiel die fünfte Niederlage. In der Vorrunde hatte es gegen Italien noch ein 8:7 gegeben. Gold ging zum neunten Mal an Ungarn. Das Team von Cheftrainer Denes Kemeny setzte sich im Finale vor rund 4.000 Zuschauern gegen die USA mit 14:10 durch.
Die Volleyballer der USA entthronten Athen-Champion Brasilien und feierten ihren ersten Olympiasieg seit 20 Jahren. Das Team von Trainer Hugh McCutcheon gewann das Finale mit 3:1 (20:25, 25:22, 25:21, 25:23) gegen die Südamerikaner. Im Frauen-Finale hatte zuvor Brasilien 3:1 gegen die USA gewonnen und damit sein erstes Olympiagold geholt.
Zum dritten Mal hintereinander sicherte sich Russland im Gruppen-Wettbewerb der Rhythmischen Sportgymnastik die Goldmedaille. Die Weltmeisterinnen setzten sich vor 8.500 Zuschauern in Peking mit 35,550 Punkten vor Gastgeber China (35,225) und Weißrussland (34,000) durch.
Bei den olympischen Box-Wettbewerben sammelten die Gastgeber ihre letzten beiden Goldmedaillen. Zunächst sorgte Zou Shiming im Halbfliegengewicht (bis 48 kg) für Chinas erstes Boxgold in der Geschichte. Wenig später holte Zhang Xiaoping im Halbschwergewicht (bis 81 kg) durch einen 11:7-Erfolg über den Iren Kenny Egan die 51. und letzte Goldmedaille. Das dritte Gold der chinesischen Faustkämpfer verhinderte Schwergewichts-Weltmeister Roberto Cammarelle, der den überforderten Chinesen Zhang Zhilei durch technischen K.o. nach 19 Sekunden in der vierten Runde besiegte.
"Wahrlich außergewöhnliche Spiele."[mehr]
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