Die Jesus-Christus-Kirche in Berlin Dahlem ist berühmt für ihre exzellente Akustik. Schon der große Herbert von Karajan hat hier seine Plattenaufnahmen mit den Berliner Philharmonikern gemacht. Auch an diesem 28. Mai spielt in der Kirche ein großes Orchester. Die Kammerakademie Potsdam hat sich an diesem Tag auf mehr als 50 Musiker verstärkt. Sie spielen für Olympia, eine Hymne für Hongkong, eine Musik für ein Pferd: "Satchmos Sinfonie".
Die Dressurreiterin Isabell Werth hat sich entschlossen, ihrem Olympiapferd Satchmo eine Kürmusik auf den Leib schreiben zu lassen: "Die Kür ist am Ende für die Einzelmedaillen entscheidend und da wollten wir dem Ganzen mit der neuen Musik noch so ein Riesen-Sahnehäubchen oben drauf setzen", erklärt die Olympiasiegerin die Idee, die dahinter steckt.
Das sechsminütige "Sahnehäubchen" ist das Werk von Michael Erdmann und Markus Lehmann-Horn. Bis vor wenigen Wochen hatte Letzterer, ein Komponist aus München, weder etwas von Isabell Werth gehört, noch vom Dressurreiten an sich. "Also was da für ein Aufwand getrieben wird. Ich meine, das macht nicht jeder, für sechs Minuten Musik ein ganzen Orchester zu buchen", wundert sich der Künstler. "So einen Aufwand kann man auch nur einmal betreiben, wir sind schließlich nicht Rockefeller", stellt Olympiasiegerin Werth klar. Sie und ihre Mäzenin Madeleine Winter-Schulze haben einige Zehntausend Euro in "Satchmos Sinfonie" investiert.
Herausgekommen ist eine wuchtige und gleichzeitig ergreifende Hymne mit Gänsehautfaktor. "Ich finde die Musik wunderbar", urteilt Dirigent Florian Erdl. "Olympia ist ja auch 'ne Show, ein Event und dafür ist die Musik genau richtig." Eingespielt hat das Ganze ein gut aufgelegtes Orchester, das Isabell Werth auf ihrem Weg zum erneuten Olympiasieg gern unterstützt, denn: "Das ist ja auch eine Künstlerin auf ihre Art und Weise und das verbindet uns auf jeden Fall", sagt Schlagzeuger Friedemann Werzlau.
Als die Künstlerin im Dressurviereck dann zum ersten Mal in der Jesus-Christus-Kirche die Rohfassung von "Satchmos Sinfonie" hört, ist sie begeistert und beeindruckt zugleich. "Jetzt muss ich nur noch gut reiten", schmunzelt sie und wirft einen Blick auf das riesige Kreuz an der Kirchenwand. "Was am Ende dabei rauskommt, weiß der liebe Gott. Jetzt haben wir ein bisschen geistigen Beistand gehabt und das kann nicht schaden. Und ich hoffe, er hat dann auch noch ein paar Minuten Zeit, wenn's drauf ankommt."
Mit Beistand von ganz oben - nach ganz oben. Wenn das gelingt, hat "Satchmos Sinfonie" den goldrichtigen Ton getroffen.
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